Angst Angst vorm Schreiben

Egal, wie erfolgreich dein Romandebüt war – ob du hundert oder tausend Exemplare verkauft hast – du wirst sie kennenlernen: die Angst vorm Schreiben des zweiten Romans. Mein Debütroman ‚Mehrweh‘ zum Beispiel hat mir ausschließlich schöne Rezensionen beschert, viele Leser:innen berührt und begeistert. Mehr als einmal tauchte der folgende Satz in meinen Leserrückmeldungen auf: „Ich freue mich schon auf Teil zwei.“

Uff. Druck, Druck, Druck. Plötzlich sind Erwartungen da, die es beim ersten Roman noch nicht gegeben hat. Da habe ich einfach munter drauflos geschrieben, in Worte verkleidet, was ausgedrückt werden wollte. Natürlich hatte ich dabei meine eigenen Ansprüche, wie sich der Text anfühlen sollte – aber das waren in dem Moment auch die einzigen, denen ich gerecht werden musste. (Was, zugegeben, auch hin und wieder sehr anstrengend sein kann, wenn man eine sehr überzeugende innere Kritikerin hat.)

Dieser (mentale) Druck führt natürlich zur Schreibblockade. Und was tut man, wenn man als Autor:in das Gefühl hat, blockiert zu sein?

Mein Tipp Nummer eins: sich mit Kollegen austauschen. Denn dann merkst du meistens, dass du mit deinen Ängsten und Unsicherheiten ja doch nicht so allein bist, wie es dein Kopf manchmal darstellt (typisch Dramaqueen eben).

Ich erkannte, dass auch Kolleginnen, die schon um einiges erfolgreicher und erfahrener sind als ich, sehr ähnliche Gefühle hatten, als es darum ging, den zweiten Roman zu schreiben. Mehr noch: Teilweise kennen sie die Angst vor dem Schreiben sogar heute noch, wenn es an ein neues Buchprojekt geht. Denn mehr Erfolg und eine größere Leserschaft bedeuten automatisch auch mehr Erwartungen an dein Schreiben.

7 Tipps, wie du mit deiner Angst vor dem Schreiben umgehen kannst

Angst vor dem Schreiben des zweiten Romans

1.     Erkenne deine Angst und stoppe so Prokrastination

Unser Unterbewusstsein ist wahnsinnig intelligent. Wenn du dir einredest, dass du diese Angst nicht kennst, bemerkst du vielleicht auch nicht, wie du dem weißen Blatt immer wieder ausweichst. Du beginnst zu prokrastinieren, indem du zum Beispiel öfter saubermachst, mehr als sonst im Internet (oder im meinem Fall im Meer) surfst oder Freunde anrufst, die du seit Ewigkeiten nicht gesprochen hast (was du natürlich unbedingt jetzt nachholen musst).

2.     Sieh die Erwartungen deiner Leser als Kompliment

Statt nur den Erwartungsdruck zu sehen, versuche es mit einer alternativen Sichtweise: Offenbar hat den Lesern dein Buch gefallen, sonst würden sie nicht nach Teil zwei fragen, geschweige denn darauf hin fiebern. Was und wie du schreibst hat also bereits Leser:innen überzeugt und begeistert – was ein Kompliment für deine Arbeit als Autor:in!

3.     Schreibe überhaupt etwas

Natürlich wäre eine Fortsetzung deines Debütromans super, besonders wenn Teil eins deinen Lesern gut gefallen hat und sie sich auf den zweiten Teil freuen. Doch macht es beim Schreiben keinen Sinn, etwas zu erzwingen, nur um zu liefern. Du könntest dein Folgebuch auch erstmal soweit schreiben, wie es dir möglich ist, und dir dann erlauben, es liegen zu lassen, wenn es sich nicht passend anfühlt. Allerdings bleibt dabei der wichtigste Punkt, dass du ETWAS schreibst. Das heißt, selbst wenn der zweite Teil deiner Geschichte erstmal ruht, suche dir ein anderes Schreibprojekt und bleibe im Schreiben, um sicherer zu werden. Denn sonst hat dich die Angst vor dem Schreiben fest im Griff.

Eine Idee könnte zum Beispiel sein, das Genre zu wechseln – so wirst du quasi wieder zum Neuling. In gewisser Weise könnte man dies zwar auch als Prokrastination sehen, aber immerhin schreibst du überhaupt etwas.

4.     Schreibe für dich

Erinnere dich, wie du deinen Debütroman geschrieben hast. In meinem Fall (und wie sich herausstellte auch im Falle der von mir befragten Autorenkolleginnen) habe ich meinen ersten Roman recht blauäugig geschrieben. Einfach so losgelegt, ohne mir zu viele Gedanken über Lesererwartungen zu machen – schließlich hatte ich ja noch keine. Um in diese ‚Stimmung‘ beim Schreiben zu kommen, kann natürlich ein Genrewechsel helfen oder eine ganz andere Geschichte als die deines Debütromans. Doch kannst du ja nicht nach jeder Veröffentlichung auf diese Weise ausweichen. Daher macht es Sinn, aktiv an dieser Einstellung zu arbeiten. Erinnere dich daran, warum du eigentlich schreibst. Denke nicht an die Zahl deiner Buchverkäufe, der Rezensionen oder an deinen Umsatz. Was ist dein tiefstes, persönliches Warum beim Schreiben?

5.     Glaube an dich

In der Angst vorm Schreiben verstecken sich Selbstzweifel. Du hast zum Beispiel Angst, nicht gut genug zu sein, um an den Erfolg deines ersten Buches anzuknüpfen oder deine Leser:innen wieder zu überzeugen. Arbeite daher aktiv an deinem Mindset, indem du zum Beispiel positive, bestärkende Affirmationen findest, wie zum Beispiel: „Ich bin eine talentierte Autorin und schaffe es, diesen Roman zu schreiben. Ich habe es schon einmal geschafft und ich schaffe es wieder.“

6.     Mache keine (zeitlichen) Versprechungen

Dies gilt insbesondere, wenn du Selfpublisher:in bist und deshalb keine Deadline durch einen Verlag bekommst: Mache keine zeitlichen Versprechungen. So baust du dir selbst nur unnötigen Druck auf, dann auch wirklich zu liefern. Doch manchmal unterschätzt man die benötigte Zeit einer Veröffentlichung – vom Schreiben selbst mal ganz abgesehen.

7.     Entwickle eine feste Schreibroutine

Schreibe zum Beispiel jeden Morgen eine Stunde, am Wochenende vier Stunden oder setze dir ein wöchentliches festes Wörterziel – was auch immer für dich funktioniert. Wenn die Angst vor dem Schreiben des zweiten Buches allerdings sehr groß ist, ist eine zeitliche Vorgabe besser, da du so mit weniger Erwartungsdruck schreibst und leichter ein Erfolgserlebnis hast. Dadurch entwickelst du positive Assoziationen mit dem Schreiben, was deinem Schreibfluss wiederum spürbar zugutekommen wird. Brich deine Schreibroutine nach Möglichkeit nicht, denn sonst ist die Gefahr groß, dass du wieder in den Teufelskreis der Angst vor dem Schreiben zurückfällst.

Haben dir diese Tipps geholfen? Hast du noch weitere Ideen, wie man mit der Angst vor dem Schreiben des zweiten Buches umgehen kann?

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