Selfpublishing nachhaltiger Buchdruck

Wenn wir ehrlich sind, ist so ein gedrucktes Buch doch etwas Schönes, oder? Ich persönlich stöbere gerne in Buchläden und lasse mich dabei auch von Covern und Buchgestaltungen leiten. Außerdem sitze ich beruflich den ganzen Tag am Bildschirm – während der Pandemie sowieso – da möchte ich gerne auch mal offline abschalten. Auch wenn ich einen eReader habe, favorisiere ich deshalb gerne das gedruckte Buch. Doch seit ich darüber nachdenke, wie ich mein eigenes Buch veröffentlichen will, kommt mir immer wieder das Thema Nachhaltigkeit in den Sinn. Nachhaltiger Buchdruck – geht das?

Du willst ein Buch veröffentlichen? So ein echtes, auf Papier? Liest das dann auch jemand?

Ist das nicht eigentlich schädlich für die Umwelt? Immerhin sterben Bäume für das Papier.

Mein Gewissen

Nachhaltiger Buchdruck wird dank unabhängiger Verlage auch für Selfpublisher:innen realisierbar

Auf Instagram habe ich Steffi von der BuchBerlin entdeckt – und mit ihr eine mögliche Lösung für mein Problem. Sie ist Mitgründerin der Interessensgemeinschaft „Unabhängige Verlage for Future“. Unter diesem Namen haben sich 2020 acht Verlage zusammengetan, um den nachhaltigen Buchdruck auch für kleinere Verlage und Selfpublisher:innen zu ermöglichen.

Biber & Butzemann, Theil Verlag, Verlag Monika Fuchs, Erzählverlag, Pinguletta Verlag, Lysandra Books, Edition Roter Drache und die Invicticon-Verlagsgruppe mit den Labels MAIN Verlag, Antheum Verlag, Polygon Noir Edition und LEGIONARION produzieren ihre Bücher spätestens ab diesem Jahr klimaneutral. Auch der „Schöne Bücher“-Katalog sowie die Papeterie-Manufakturen Pappnoptikum und Papiergestalter sind mit an Bord.

Wie es funktioniert

Das beim Druck entstehende CO2 kompensieren die „Unabhängigen Verlage for Future“ über „Climate Partner“ und investieren in Klimaschutzprojekte auf der ganzen Welt. Jeder Verlag entscheidet dabei für jede Neuerscheinung, ob er

  • die Meere, Wälder oder Moore schützen möchte,
  • die nachhaltige Energiegewinnung unterstützt oder
  • die Ärmsten der Welt mit sauberem Wasser versorgt.

Da die Kosten für den CO2-Rechner für kleinere Verlage oft höher sind als für den eigentlichen CO2-Ausgleich, teilen sich die Verlage diese. Die Verwaltung übernimmt der Bücherzauber e.V., der auch die Berliner Buchmesse BUCHBERLIN organisiert.

Meine Neugier war geweckt

Steffi war so lieb, meine Fragen in einem kleinen Interview zu beantworten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Was hat euch inspiriert?  

Ich bin ja selbst Kinderbuch-Verlegerin und es war schon länger mein Wunsch, klimaneutral zu drucken, nur konnte ich es mir allein nicht leisten. Wir haben nur diese eine Erde und wollen sie für unsere Kinder und Enkelkinder erhalten. Darum habe ich überlegt, wie wir unabhängigen Verlage ein solches Thema gemeinsam angehen könnten und habe gemeinsam mit Climate Partner zu meiner großen Freude eine Lösung gefunden.      

Steffi auf der BUCHBERLIN
Quelle Foto: Offenblen.de

Wie läuft euer CO2-Ausgleich ganz praktisch ab? Wie kommt das Geld bei den Projekten an?  

Das läuft über die Experten von Climate Partner. Jeder Verlag sucht über den Rechner auf der BUCHBERLIN-Cloud für jedes Buchprojekt eines der zahlreichen Projekte aus, berechnet, was er für seine Auflage bezahlen müsste und entscheidet dann, ob er es machen möchte oder nicht. Climate Partner berechnet das gebuchte Projekt dann dem Bücherzauber e.V. und wir berechnen es an die Verlage weiter.    

Was für Projekte unterstützt ihr?  

Es stehen unglaublich viele Projekte in zahlreichen Ländern zur Auswahl. Jeder Verlag entscheidet für jede Neuerscheinung, ob er die Meere, Wälder oder Moore schützen möchte, eine nachhaltige Energiegewinnung unterstützt oder die Ärmsten der Welt mit sauberem Wasser versorgt. Und das sind nur einige Beispiel.      

 Müsst ihr dafür die Buchpreise anpassen?  

Das muss jeder Verlag selbst entscheiden, aber gemeinsam ist es wirklich nicht teuer, Bücher klimaneutral zu drucken. Die darauf basierende Preiserhöhung liegt dann vielleicht bei 25 bis 50 Cent. Grundsätzlich sind Bücher aber meist so billig, dass kaum einer der vielen unabhängigen Verlage, die ich kenne, davon leben kann, insofern wäre eine Preiserhöhung teilweise auf vielen Gründen wichtig.    

Erfahren die Leser:innen von eurem Einsatz?  

Man erkennt ein klimaneutral gedrucktes Buch am entsprechenden Logo über dem Impressum oder auf der Rückseite, außerdem kommunizieren die teilnehmenden Verlage das Thema über Social Media und/oder auf ihren Webseiten.    

Gleicht ihr auch eBooks aus? Hier könnte man ja mit genutzten Serverkapazitäten argumentieren, die Energie verbrauchen.  

Dafür gibt es soweit ich weiß noch kein Angebot. Wir berechnen derzeit den CO2-Ausgleich über die Menge bedruckten Papiers. Sollte Climate Partner so etwas auch für eBooks ermöglichen, würden wir das natürlich gern den „Unabhängigen Verlagen for Future“ anbieten.    

Wo soll das Projekt in Zukunft hingehen? Habt ihr noch Schritte, die ihr gehen möchtet?  

Wir hoffe, weitere Verlage – und auch Selfpublisher:innen – für unser Projekt begeistern zu können. Unser Wunsch wäre es, dass künftig alle in Deutschland erscheinenden Bücher klimaneutral gedruckt werden. Außerdem stehen wir im Austausch mit den Writers for Future, um gemeinsam weiter zu überlegen, was Verlage und Autor:innen in Sachen Umweltschutz noch tun können.    

Können Leser:innen oder Autor:innen selbst auch was beitragen?  

Wir freuen uns, wenn die Leser:innen unser Engagement einfach wertschätzen. Autor:innen können als Selfpublisher:innen selbst klimaneutral drucken, auch das bieten wir an. Verlagsautor:innen können das Thema bei ihren Verlagen platzieren und vorschlagen, auf klimaneutralen Druck umzustellen, falls das noch nicht der Fall ist.

Wo können sich Interessierte über euch informieren?  

Erste Infos findet ihr auf www.buch-berlin.de/klimaschutz
Bei Interesse wendet euch gern an info@buch-berlin.de, meine Kollegin Tanja schickt euch gern unverbindlich die ausführlichen Infos und Vertragsunterlagen.  

Der Erfolg lässt sich schon in Tonnen messen

„Da viele unserer regionalen Kinderbücher an der Nord- und Ostsee spielen, kompensiere ich diese Titel über den Meeressschutz. Zu unseren Neuerscheinungen über die Pfalz oder die Rhön passen dagegen Aufforstungsprojekt an besten“, erklärt Initiatorin Steffi ihre persönliche Auswahl. „Ich habe inzwischen mit zwölf Titeln 15 Tonnen CO2 kompensiert. Die Invicticon-Verlagsgruppe als zweites Gründungsmitglied hat in den vergangenen Wochen rund 2,7 Tonnen CO2 ausgeglichen und damit sechs Klimaschutzprojekte in Deutschland unterstützt.“

Photo by Li-An Lim on Unsplash

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