Verlagsvertrag ablehnen

Ein Verlagsvertrag ist das Nonplusultra, wenn man ein Buch veröffentlichen möchte. Den Eindruck hatte ich zumindest, als ich Anfang 2020 meinen Weg als Autorin eingeschlagen habe. Auf Instagram berichteten viele Autor:innen von ihrem langen und steinigen Weg, einen Verlag für ihr Buch zu finden. Sie motivierten sich gegenseitig, selbst nach zahlreichen Absagen nicht aufzugeben. Ich finde das Durchhaltevermögen und die Disziplin, mit der diese Autorenkollegen an ihrem Traum vom Verlagsvertrag arbeiten, wahnsinnig beeindruckend. So viel vorweg: Keineswegs möchte ich Verlagsverträge in diesem Artikel generell ablehnen oder irgendjemandem raten, es gar nicht erst zu versuchen, einen zu bekommen.

Doch bei meinem Romandebüt ‚Mehrweh‘ stand für mich schnell fest, dass ich als Selfpublisherin veröffentlichen wollte. Schon allein deswegen, weil ich so nicht würde warten müssen, bis jemand meine Geschichte für „gut genug“ befindet und sie ins Verlagsprogramm aufnimmt. Dennoch ergab sich kurz nach der Veröffentlichung des Taschenbuchs eine unerwartete Möglichkeit: Ein Verlag kontaktierte mich und zeigte Interesse daran, mich unter Vertrag zu nehmen und ‚Mehrweh‘ neu zu veröffentlichen. Für die meisten Autor:innen vermutlich ein wahrgewordener Traum – und ich kann dir versprechen, dass auch ich erstmal Luftsprünge vollführte!

Doch trotzdem habe ich diesen möglichen Verlagsvertrag abgelehnt.

Verlagsvertrag ablehnen

Und zwar vor allem deswegen, weil sich unter den Luftsprüngen mein sehr mulmiges Bauchgefühl meldete. Wer mich kennt, weiß, dass allein das Bauchgefühl schon entscheidend für mich ist.

Trotzdem habe ich natürlich nicht einfach den Verlagsvertrag abgelehnt, sondern weiter nachgeforscht. Weshalb hat mir mein Bauch so ein deutliches Nein angezeigt? Im Folgenden liste ich die Punkte für dich auf, die auch rational zu meiner Entscheidung beigetragen haben, den Verlagsvertrag abzulehnen. Ich möchte dich dazu inspirieren, auf der Suche nach einem Verlagsvertrag stets deinen Werten zu folgen. Traue dich, innezuhalten und zu hinterfragen – anstatt einfach in den ‚sauren Apfel‘ zu beißen und jegliche Vertragskonditionen hinzunehmen.

1.     Musst du deine Rechte lebenslang abgeben?

In meinem Fall erwartete der Verlag, dass ich meine Nutzungsrechte lebenslang abgebe. Das heißt nicht nur am Taschenbuch, sondern in jedwedem Format wie dem ebook, Audiobook, Übersetzungen – und selbst in „noch unbekannten Nutzungsarten“. Mir kam das von vorneherein komisch vor und bald hörte ich auch von mehreren Seiten (Autoren- und Verlagsseite), dass bei dieser Bedingung definitiv Vorsicht geboten ist. Seine Rechte lebenslang abzugeben, war für mich definitiv ein Grund, den Verlagsvertrag abzulehnen.

2.     Wird das Lektorat vom Verlag finanziert?

Ursprünglich hatte ich angenommen, dass das Lektorat standardmäßig vom Verlag übernommen wird. In meinem Fall wäre es aber meine Aufgabe gewesen, dies zu finanzieren, was ein weiterer Grund für mich war, den Verlagsvertrag abzulehnen. Für den Verlag hatte es unternehmerische Gründe, weshalb der/die Autor:in selbst für die inhaltliche Qualität des Buches sorgen müsse. Auf mich machte dies aber den Eindruck, dass das Innere meines Buches für den Verlag eher nebensächlich wäre – nur die äußere Form muss für den Verkauf stimmen.

3.     Wer hat beim Cover das letzte Wort?

In meinem Fall hieß es, dass für das Cover und weitere Ausstattung immer das Okay des Autors eingeholt werden müsste. Doch insbesondere, weil der Verlag schon beim Lektorat das „unternehmerische Argument“ in den Vordergrund gestellt hat, fragte ich mich, ob nicht auch beim Cover die „markttechnischen Gründe“ das Totschlagargument werden würden. So würde ich als Autorin ohnehin nicht um ein Ja herumkommen – egal, ob mir das Cover gefällt oder nicht. Wenn du Wert darauf legst, beim Cover ein Wörtchen mitzureden, frage auf jeden Fall explizit nach, wie wichtig deine Meinung als Autor:in bei dem Thema ist.

4.     Geht es ausschließlich darum, „marktgerecht“ zu sein?  

In den letzten zwei Punkten klang es schon an. Natürlich liegt der Fokus eines Verlags auch darauf, Geld zu verdienen, was absolut verständlich ist. Denn auch ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen, sodass das Buch als Produkt gesehen wird, das Geld einbringen soll. Daran ist nichts verkehrt, denn schließlich müssen auch wir Selfpublisher:innen schauen, wie sich unsere Bücher finanziell rentieren. Wir wollen auch nicht nur Unmengen Geld investieren, sondern ebenfalls etwas herausbekommen.

Allerdings bedeutet das auch, dass es sein kann, dass die Gestaltung des Buches im Verlag oft nach dem Kriterium „marktgerecht“ entschieden wird. Gehst du wie ich lieber deinen eigenen kreativen Weg und möchtest dich nicht in Marktkonzepte einordnen lassen? Dann überlege dir, ob ein Verlagsvertrag wirklich etwas für dich ist.

5.     Was geschieht mit Folgemanuskripten?

In meinem Fall wäre es vertragliche Pflicht, dem Verlag Folgemanuskripte anzubieten. Dieser Punkt ist zum einen sehr nachvollziehbar und positiv, da eine langfristige Zusammenarbeit angestrebt wird. Doch verpflichte ich mich eher weniger gerne für die Zukunft, sondern bin Befürworterin der kreativen Entfaltung. Und auch du solltest zumindest die Fragen zulassen: Was, wenn in Zukunft noch viel passendere Verlage an dir interessiert sind? Oder was, wenn du doch wieder Lust hast, etwas als Selfpublisher:in zu gestalten?

6.    Was sagt dein Bauchgefühl?

Ich gebe zu: So ein Verlagsvertrag wäre schon reizvoll für mich. Ich könnte das Buchmarketing abgeben (welch eine Erleichterung für mich als Marketing-Muffel!), wäre vermutlich sichtbarer als Autorin und hätte dadurch mehr Leser:innen für meine Bücher. Doch zu welchem Preis? Letzten Endes war mein Bauchgefühl in diesem Fall klar auf Nein und so habe ich dann auch entschieden, den Verlagsvertrag abzulehnen.

Wie ist das bei dir: Wünschst du dir einen Verlagsvertrag? Gäbe es Gründe, aus denen du einen Verlagsvertrag ablehnen würdest?

Photo by Cytonn Photography on Unsplash

Photo by Darius Bashar on Unsplash

2 Comments
  1. […] vielleicht hast du schon in Franziskas Artikel gelesen, dass es durchaus legitime Gründe gibt, einen Vertrag […]

  2. […] Artikel „Darf ich einen Verlagsvertrag ablehnen? 6 Fragen, die du dir stellen solltest“ von Franziska und der Beitrag „Warum ich einen Vertrag angenommen habe“ von […]

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

©2021 KLEO Template a premium and multipurpose theme from Seventh Queen

Cookie Consent mit Real Cookie Banner

Log in with your credentials

or    

Forgot your details?

Create Account